»Gott ... wird die Völker, seine Verfolger, auffressen und ihre Gebeine zermalmen und mit seinen Pfeilen zerschmettern.«
Das liest man z.B. in der Bibel unter Mose (24, 8). Das soll von Gott inspiriert sein? Jawohl, sagen die beiden Großkirchen in Deutschland. Sie bezeichnen die Bibel als reine Rede Gottes. Laut katholischem Katechismus ist sogar das teilweise sehr blutrünstige Alte Testament »ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert«. Damit sind auch folgende Bibelzitate gemeint:
N »So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.« (4. Mose 31, 17-18)
N »Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch das Lager hin und her von einem Tor zum anderen und erschlage seinen Bruder, Freund und Nächsten.« (2. Mose 32, 27)
Wer diesem Unfug auf den Leim geht und Gottes Wort leichtgläubig mit dem Geschriebenen in der Bibel gleichsetzt, der legt damit all die widersprüchlichen und blutigen Aussagen der Bibel Gott in den Mund. Unlogik und Grausamkeiten ein Ergebnis der Verdrehungen und Vertuschungen der Wahrheit durch die frühen Bibelautoren, so sehen es auch viele Bibelforscher.
Der Spiegel schreibt in der Ausgabe 52/2002 in dem Artikel ›Der leere Thron‹ über die Bibel: »... erst jetzt, über 2000 Jahre nach Erschaffung all dieser Mythen und religiösen Urbilder, setzt ihre nüchterne Aufarbeitung ein. Die Forscher dringen an die Wurzeln des Alten Testaments vor allerdings mit der Axt.
Immer deutlicher wird, dass Gottes Wort, das ›Buch aller Bücher‹, voller Mogeleien steckt. Eine Gruppe von Fälschern, ›Deuteronomisten‹ genannt, bürsteten Realgeschichte um; sie verzerrten die Wirklichkeit, schafften unbequeme Fakten beiseite und erfanden, nach Art eines Hollywood-Drehbuchs, die Geschichte vom Gelobten Land.« Und weiter: »Die biblische Zensurbehörde ging geschickt vor. Wie Mehltau liegt ihre Version der Zeitläufe auf der Geschichte. Im Prinzip arbeitete sie so perfekt wie das Wahrheitsministerium von George Orwell.«
Wer hat sich diese Mammutschrift ausgedacht?
Die ältesten bislang gefundenen Schriftrollen, die Texte biblischer Propheten enthalten, stammen aus Qumran am Toten Meer, sie sind um 240 v. Chr. entstanden. Die Ursprünge der Bibel reichen aber viel weiter zurück. Die Qumran-Rollen sind auch nur Abschriften von Abschriften. Neben den vielen Widersprüchen in der Bibel gibt es auch historische Unstimmigkeiten. Harmlos, aber sie belegen, daß die Bibel nicht Wort für Wort von Gott inspiriert ist. Zwei Beispiele:
m Abraham reitet laut Bibel 1800 v. Chr. auf Kamelen herum, obwohl diese erst 1000 v. Chr. als Lasttiere eingesetzt wurden
m Im ersten Buch Mose (950 v. Chr.), 42, zahlen die Juden ihr Getreide mit Metallgeld, obwohl die ältesten Münzen aus Kleinasien stammen und auf 700 v. Chr. datieren
Auch die ersten Evangelien wurden erst 70-100 nach Christus verfasst. Hundert Jahre lang kann die Lehre des Jesus unmöglich in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sein, es sei denn, die damaligen Leute waren wahre Gedächtniskünstler. In ihrer heutigen Form entstand die Bibel erst im späten 4. Jh. nach Christus. Damals gab Papst Damasus dem ›Kirchenvater‹ Hyronimus den Auftrag, aus verschiedenen Bibelversionen einen einheitlichen lateinischen Text herzustellen. Dieser Text, die so genannte Vulgata, wurde von der katholischen Kirche erst viel später auf dem Konzil von Trient (1545-1563) als ›fehlerlos‹ erklärt. Hyronimus selbst sagte über seine Aufgabe:
»Wird sich auch nur einer finden, sei er gelehrt oder ungelehrt, der mich nicht lauthals einen Fälscher oder Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?« [1]
Die Bibel: ein Menschenwerk, indem Wahrheit mit Fiktion verquirlt wurde. Wer jetzt immer noch glaubt, die Bibel sei vom ›Geist Gottes‹ eingegeben, für den sei noch gesagt: Der ›Geist‹, der maßgeblich an der Entstehung der Bibel beteiligt war, nämlich Papst Damasus I., hatte in den Jahren 366 und 377 nach blutigen Kämpfen zwischen seinen Anhängern und seinen Gegnern den Papstthron erobert. An einem Tag fand man in einer Kirche 137 Tote!
Quelle:
[1] Evangelienrevision, Vorrede, MPG 29, Sp. 525ff, zitiert nach Adolf Martin Ritter, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Band 1, S. 181