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REVO 22:

Tour de Farce

Und auf geht’s in die nächste Runde! Ostern ist zwar längst vorbei, doch das große Suchspiel der klerikalen Elite geht weiter. Wir sind Zeugen eines atemberaubenden Kopf-an-Kopf-Rennens, täglich werden die Karten neu gemischt, alles ist noch offen.

Wer wird das Spiel gewinnen? Für alle, die sich jetzt erst zugeschaltet haben, noch einmal eine kurze Zusammenfassung über Sinn und Zweck des kirchlichen Spektakels. Die Excellenzen und Eminenzen dieser Welt liefern sich einen erbitterten Kampf: Sie suchen Gott. Zwar hatte Jesus von Nazareth, den sowohl die katholische Kirche (KAKI) als auch die Lutherische Kirche (LUKI) anzuerkennen vorgeben, mit der Aussage “Gott ist inwendig in euch” einen – so sollte man meinen – eindeutigen Hinweis gegeben, doch die Herren Kardinäle, Bischöfe und Päpste scheinen es sich nicht gar so leicht machen zu wollen. Wozu hat man schließlich lange Jahre Theologie studiert, wenn sich diese grundlegende Menschheitsfrage „Wo ist Gott“ so leicht beantworten ließe? Nein, sie machen es sich wahrlich nicht leicht, und begeistern die Weltöffentlichkeit durch ein spannendes Spiel, indem sie die Mitspieler durch trickreiches Manöver immer wieder auf eine falsche Fährte locken. Aber urteilen Sie selbst, wir schalten uns live in das spannende Rennen ein:

Verzweifelte Suche nach Gott

Zunächst versucht Kardinal Ratzinger, Oberster Glaubenshüter in Rom und Vorsitzender der dortigen Inquisitionsbehörde, seinen Mitstreitern - und nebenbei auch den zahlenden Massen auf der Zuschauertribüne - weiszumachen, Gott sei im Sakrament der Eucharistie zu finden, sprich in dem allsonntäglichen Brotwunder, bei dem Brot in den leibhaftigen Christus verwandelt wird. Da diese erneute Verlautbarung, festgehalten in seinem Buch “Gott ist uns nah. Eucharistie: Mitte des Lebens“, die lutherischen Mitspieler zu heftigem Wiederspruch und Diskussionen provoziert, hat Ratzinger sich durch das gezielte Ablenkungsmanöver einen guten Vorsprung verschafft - die Lutheraner sind erst einmal außer Gefecht gesetzt. Und während sie sinnieren, diskutieren und theologisieren, um mit den Katholen vielleicht doch noch an einem gemeinsamen Tisch zu speisen, legt der Papst schon einem neuen Kunstgriff nach: In seiner Weihnachtsansprache ruft er den Massen zu, Gott habe sich angeekelt vor den Menschen in den Himmel zurückgezogen. Also nix mehr mit Hostie. Und während die Mitspieler und die Weltöffentlichkeit sich darüber den Kopf zerbrechen, wie es Gott im Himmel oben mit all den Seligen, Heiligen und Scheinheiligen, die der Papst in den letzten Monaten und Jahren dort durch eifriges Heiligsprechen hineinprojiziert hat, eigentlich aushalten soll, klärt Ratzinger den Papst auf: Gott sei nicht einfach im Himmel, sondern “er hat sich versteckt”, (22.12.2002). Das Suchspiel geht in die heiße Phase.

Wettstreit der Theo-Logiker

Im Himmel scheint es Gott auch nicht lange ausgehalten zu haben, denn Ratzinger meldet kurz darauf: „Er ist aus seinem Versteck herausgegangen und läuft uns förmlich nach, damit wir nicht aufhören, ihn zu suchen; damit wir fähig werden, ihn zu finden”. Mit dieser theologischen Spitzfindigkeit sind etliche Mitspieler vorerst schachmatt gesetzt, da sie soviel Theo-Logik auf einmal nicht verkraften. Hier kommt der Generalvikar der Erzdiözese Wien auf den Plan, um all jene, die aus der spektakulären Gottsuche als erfolgreiche Gewinner hervorzugehen hoffen, einzuschüchtern: Gott sei “tatsächlich unbegreiflich”. Die Menschwerdung Gottes sei “einer der verrücktesten Schritte im wahrsten Sinne des Wortes”. Gott sei “unberechenbar, ein Gott der Umwege” (Kathpress, Wien).

Welche Umwege hier gemeint sind? Der Erzbischof von Berlin, Kardinal Sterzinsky, bringt Licht ins Dunkel und lockt die Mitspieler auf einen exotischen Umweg ins ferne Ausland: Gott könnte nach Asien oder Afrika abwandern, wenn wir Europäer ihn nicht haben wollen, sagte er in seiner Predigt bei der Antoniuswallfahrt im Juni 2003. Und während nun die Mitspieler wie auch die zahlenden Gläubigen wahlweise Richtung Süden bzw. Richtung Fernosten pilgern, um Gott zu finden, spendet der Papst denen, die verwirrt die Suche aufgeben, Trost: „Auch das alttestamentliche Gottesvolk fühlte sich häufig von Gott verlassen“, sagte er bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz (www.Kathpress.de) – wie beruhigend! Oder tröstet er sich gar selbst, da er merkt, dass ihm das Wasser bis zum Halse steht?

Die Zuschauer auf den hinteren Bänken rutschen unruhig hin und her: Einen Fußballtrainer, der nicht weiß, was ein Fußball ist, hätte man längst gefeuert. Doch die Herren Hochwürden lässt man in ihrem Verwirrspiel gewähren? Offenbar nicht mehr lange: Auf der Zuschauertribünde macht sich Erkenntnis breit. Das Ego der selbstverliebten Klerikalen verbreitet einen zu unangenehmen Geruch, den vermutlich Gott selbst nicht mehr ertragen kann: Er hat sich jedenfalls längst aus dem Stadion verabschiedet. In Scharen folgen die Zuschauer ihm nach. Sie verlassen die Arena, verlangen ihr Eintrittsgeld zurück und wenden sich dorthin, wo Gott tatsächlich zu finden ist: in keiner Kirche, sondern im Inneren jedes Menschen.

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