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Wir sind Papst! Wenn man der Bild-Zeitung Glauben schenkt, scheint sich eine ganze Nation mit Herrn Ratzinger, dem neuen katholischen Oberhirten zu identifizieren.
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Bist Du Papst?
... Also ich bin nicht Papst, und ich will auch nichts mit diesem erzkonservativen, reliquiösen Vertreter einer in Dogmen und Riten erstarrten Irrlehre zu tun haben. Denn der Katholizismus hat die Lehre des Jesus von Nazareth verdreht und verfälscht. Christus war als Jesus von Nazareth ein einfacher, bescheidener Mann, der täglich den Willen Gottes erfüllte, der nach der goldenen Weisheit lebte: „Was du willst, das man dir tu, das tue du anderen zuerst.“ Und diese Weisheit sucht man in der steinreichen Kirche vergebens.
Mit Verbrechen belastet
Ganz im Gegenteil: Die Kirche ist so schwer mit Verbrechen belastet, dass der mehrfach preisgekrönte Kirchen-Fachmann Karlheinz Deschner zu dem Schluss kommt: „...nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist, wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche.“
Das scheint unsere Politiker jedoch kalt zu lassen. Ob Kanzler, König oder Präsident, die Mächtigen vieler Länder hofieren dem neuen KaKi-Chef [1]. Was ist denn da los? Seit wann sind plötzlich alle so religiös pardon: katholisch? Gerhard Schröder bestimmt nicht, aber dennoch gratuliert er dem katholischen Oberhaupt im Namen aller Deutschen! Und der grüne Fischer „hofft weiterhin auf gute Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl“. Na sowas! Da hat er es also gesagt. Der Staat arbeitet mit der Kirche zusammen. Und das, obwohl er laut Grundgesetz zu religiöser Neutralität verpflichtet ist. Der Staat kassiert ja bekanntlich von den deutschen Steuerzahlern pro Jahr 14,5 Milliarden Euro für den prallen Säckel der Kirche egal welcher Glaubensrichtung sie angehören [2].
Ein echter Diktator
Nicht nur zu seiner Amtseinführung machen Bundeskanzler Schröder, US-Vizepräsident Cheney und andere dem Papst ihre Aufwartung. Bedenklich ist: Die oft demokratischen Politiker huldigen einem echten Diktator! Der Papst besitzt im Vatikan nämlich die exekutive, legislative und judikative Gewalt. Und es ist fraglich, ob sich dieser Herrschaftsanspruch auf den Vatikan beschränkt. Vergangenen Päpsten wurde zu ihrer Amtseinführung gesagt: „... wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises ... bist“ [3]. Ist die Politik von der Kirche gesteuert? Bestimmt die Kirche gar den Staat? Haben die Politiker Angst, dass sie wegen ihrer Vergehen wie mehrfacher Scheidung und Ehebruch in die ewige Verdammnis geschickt werden, wenn sie nicht mit dem Stuhl Petri kooperieren? Oder braucht der Staat die Kirche, um, wie Reinhard Mey es sagt, die Armen dumm und gefügig zu halten [4]? Wie könnte man es anders erklären, dass bei dieser Geldknappheit und Massenarbeitslosigkeit nicht auch nur ein bischen die immensen staatlichen Zahlungen an die Kirchen in Frage gestellt werden?
Und wir, das Volk?
Können wir überhaupt noch denken? Da glaubt kaum noch einer die obskuren Lehren der Kirche oder geht zum Gottesdienst; aber wenn mit JPII ein ein tattriger, alter Mann stirbt, dann befällt uns die Massentrauer. Jugendliche, die keine Ahnung von der katholischen Lehre haben, versammeln sich ‚spontan’ auf der Straße zu Trauermärschen. Gleichzeitig erheben die Medien den Tod von JPII zu einem Massenspektakel. Zigtausende reisen weite Strecken nach Rom, stehen stundenlang in der Hitze um kurz am Leichnam des Ex-Papstes vorbeigeschoben zu werden. Nicht nur Katholiken, auch Andersgläubige. Sogar Protestanten, nach deren Begründer Martin Luther der Papst der „leibhaftige Teufel“ ist [5].
MASSENPSYCHOSE?!
Wie kommt es denn zu so einer Massenpsychose? Ist es der Sog eines möglichen Idols, eines vermeintlichen Vorbilds, das man zu Lebzeiten offenbar verkannt hat, dass uns einen Sinn, eine Richtung in dieser ziellosen Konsumgesellschaft zu bieten scheint? Oder haben die vielen Kaumgläubigen insgeheim doch Angst vor dem angedrohten Unheil der Kirche vor der ewigen Verdammnis? Vielleicht soll dann der persönliche Abschied vom toten Papst die eigenen Sünden lindern. Haben die jahrhundertelangen Drohungen der Kirche einen tiefen, bleibenden Abdruck in unserem kollektiven Unterbewusstsein hinterlassen? Man möchte fast dem spanischen Kardinal Rouco glauben schenken, der betonte, dass die Taufe für “immer und ewig” gelte und dass Katholik zu sein etwas sei, das man nicht löschen könne “es ist ein Teil ‘unserer DNS’” [6].
Was ist daran christlich?
Eines sieht man jedenfalls deutlich: Noch nie war JPII so mächtig wie als Toter. Die Kirche und die Massen huldigen einem Leichnam, einer leeren Hülle. Was ist daran christlich?
NICHTS! Christus ist der Geist des Lebens, der in jedem von uns zu finden ist. Zu ihm sollen wir beten und finden und nicht einer Religion der Toten anhängen. Und das ist viel einfacher als uns die Kirche glauben machen will. Man braucht dazu keine Priester oder Kirchen aus Stein. Jesus empfahl uns in seiner Bergpredigt: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater...“ Jesus sagte weiter, dass Gott, unser Vater in uns selbst zu finden ist. Beten heißt also auch, sich nach innen zu wenden.
Quellen, Anmerkungen:
[1] kurz für katholische Kirche
[2] www.freie-christen.com
[3] Liber Pontificalis (1596)
[4] Lied „Sei Wachsam“, Reinhard Mey
[5] Luthers “Heerpredigt gegen die Türken” (1529)
[6] www.kath.net/detail.php?id=8079 (13.7.2004)
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©1997-2007 Der geistige Revolutionär Christus
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