Extrablatt 1/98

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Dogmen, Riten, Priester...
Was wollte Jesus, der Christus?
 

Spendenaufruf"Die Kirche ist von Christus gestiftet und sie versteht sich als die Verwirklichung der von Christus gewollten Gemeinschaft der Gläubigen.", heißt es in der Dogmensammlung der katholischen Kirche. Oder: "In der Kirche herrscht ein Wechselspiel von herrschenwollen, Unterwürfigkeit und Infantilität . (...) Mit dem Mißbrauch der Bibel wird als ganz banaler Zweck die Absicherung der eigenen Macht verfolgt.", sagt Jeremia Eisenhauer, österreichischer Benediktinermönch (siehe Main-Post vom 13.2.98)

Wie denken wir? Was bedeutet die Kirche für uns persönlich? Welche Aufgabe hat die Kirche in der Gesellschaft? Ist die Kirche die "Nachfolgeorganisation" des Jesus von Nazareth? »Der Revolutionär« war in der Würzburger Fußgängerzone unterwegs und befragte Jugendliche zu ihrer Meinung:
 
»Ich bin in der Kirche, weil ich dran glaube. Die Aufgabe der Kirche ist meiner Meinung nach die Seelsorge. Der Pfarrer soll ein offenes Ohr haben und den Menschen helfen, die in Not sind. Allerdings ist das nicht immer so. Viele sehen das Priesteramt nur als Beruf und nicht als Berufung. Was mir unverständlich ist, das ist das Zölibat in der katholischen Kirche. Da predigen die Pfarrer über die Familie und bestimmen, ob Frauen abtreiben oder nicht.«
Katja K., 20 Jahre

Thema Ohrenbeichte:
Kann ein Seelsorger Sünden vergeben? Im Vaterunser heißt es: "Unser Vater, verbgib' uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!"

»Die Kirche ist für viele Leute ein Halt, für Leute eben, die Halt suchen. Die, die keine großen Probleme haben, finden in der Kirche nichts. Die Predigten sind immer dasselbe. Was einen wirklich bewegt, kommt in der Kirche gar nicht vor und wird in den Predigten nicht besprochen.«
Antje S., 19 Jahre

Die Kirche als Halt im Leben?
In der Bergpredigt sagt Jesus: "Der ist ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baut!"  (Der Fels ist Christus!)

»Ich bin katholisch und identifiziere mich auch damit. Für mich hat die Kirche die Aufgabe, den Glauben zu verbreiten und die 10 Gebote weiterzutragen. Diese Aufgabe erfüllt sie meiner Ansicht nach nur teilweise. ich finde vieles ziemlich widersprüchlich: wenn ein evangelischer Pfarrer zum katholischen glauben übertritt, darf er zum Beispiel eine Familie gründen und Kinder haben. Einer, der von Anfang an katholischer Pfarrer ist, darf das nicht.«
Heiko A., 21 Jahre

»Ich gehe nicht in die Kirche. Es bringt mir nichts. Warum ich überhaupt Mitglied bin? Als ich noch klein war, hatte ich nicht genug Durchsetzungsvermögen, um auszutreten. Und bei der Taufe  selbst war ich ein Baby und konnte nichts dagegen tun. Ich bin ein Mitläufer, ein Mitglied in einer Vereinigung, hinter der ich gar nicht stehe. Wenn ich mal eigenes Geld verdiene und Kirchensteuer zahlen muß, trete ich aus.«
Steffen M., 24 Jahre

A propos Tauf-Ritual:
Jesus hat nie getauft. Er hat gelehrt. (Joh. 4,2)

»Ich gehe nur an Weihnachten in die Kirche. Erstens ist es zu kalt und außerdem finde ich, daß man nicht in die Kirche gehen muß, um an Gott zu glauben. Es ist langweilig dort. Man sitzt nur rum, sagt Sätze auf, die man irgendwann mal gelernt hat und unser Pfarrer ist für mich auch kein Vorbild. Persönlich bete ich aber jeden Abend.«
Margarete und Verena, 17 Jahre

»Ich gehe gerne in die Kirche. Man hat mal Zeit zum Nachdenken. Insgesamt sehe ich die Aufgabe der Kirche darin, auf Personen zuzugehen, die Probleme haben, so auch in der Abtreibungsberatung. Krankenhäuser und Kindergärten zu führen, diese Aufgabe erfüllt die Kirche gut, aber privat, was eben Beratungen angeht, da tut sie zu wenig. Ich persönlich finde, daß man das, was man am Sonntag hört, auch in die Tat umstzen sollte. Wenige tun das. Die meisten Menschen haben ihren eigenen Kopf. An die Gebote halten sich nur wenige und da haben auch die Kirchen keinen Einfluß darauf.«
Boris S., 20 Jahre

Nachfolge des Jesus oder Geldmacherei?
Krankenhäuser zu führen, diese Aufgabe erfüllt die Kirche gut? Kein Wunder, springt doch auch einiges an Verdienst dabei heraus: Krankenhäuser können für die Kirche sogar zu Quelle stetiger Einnahmen werden. Funk: "Die Träger erhalten die üblichen Tarife, die kirchlichen Orden als Besitzer geben ihren Schwestern nur ein Taschengeld weiter." (Focus 1/98)

»Ich bin zwar offiziell in der Kirche, aber es bringt mir nichts. Ich bin kein Kirchenfan und ob ich an Gott glauben soll, weiß ich nicht so recht. Die Kirche ist für ältere Menschen da, die auch meistens in die Kirche gehen. Für die Jugendlichen tut die Kirche nur wenig. Die sollten mal was für Jugendliche veranstalten, Jugendtreffen oder Freizeitsachen, wo man auch mal über Probleme reden kann, die man im Alltag hat, mit den Eltern zum Beispiel. Bisher hab ich nicht die Erfahrung gemacht, daß Religionslehrer oder Pfarrer einem wirklich weiterhelfen können.«
Champica H., 17 Jahre

»Die Aufgabe der Kirche sollte sein, ethische Grundsätze zu vertreten und sie den Leuten nahe zu bringen. Aber sie tut es nicht. Sie kann die Leute nicht ansprechen. Gerade die katholische Kirche ist absolut weltfremd. Dagegen sind die 10 Gebote und die Bergpredigt als ethische Grundsätze überhaupt nicht weltfremd.Mit der Kirche haben sie nichts zu tun, aber sie bringen mir etwas für mein Leben. Wenn ich später einmal Kirchensteuern zahlen muß, werde ich mir überlegen müssen, ob ich austrete.«
Sebastian K., 20 Jahre

Thema Steuergelder:
Schon gewußt, daß die Kirchen zusätzlich zu den 17 Milliarden Mark Kirchensteuern jährlich 17 Milliarden Mark staatliche Subventionen aus staatlichen Steuergeldern beziehen? Allerdings: Die Summe der staatlichen Leistungen für soziale Einrichtungen beträgt jährlich über 1 Billion Mark, der kirchliche Anteil für öffentlich-soziale Zwecke beträgt lediglich zwischen 0,1 und 0,2 % dieser Summe.
 
»Ich bin kein aktiver Kirchgänger mehr. Austreten werde ich aber nicht, denn ich studiere Lehramt in Bayern - da gäbe es Schwierigkeiten. Ich finde gut, daß die Kirchen soziale Einrichtungen haben, Kindergärten, Behindertenheime und so. Auch die Spendenaufrufe finde ich wichtig. Die Kirche ist Tradition mit Vor- und Nachteilen. Man kann sie nicht wegdenken. Was mich stört, ist, daß soviele ältere Männer die Kirche leiten. Ich weiß nicht, ob Jesus gesagt hat, daß Frauen nicht in den Kirchendienst sollen. Auch das Zölibat hat Jesus nicht eingeführt, sondern es ist geschichtlich begründet, damit die Kirche den Besitz behalten kann und nichts an irgendwelche Nachkommen weitervererben muß. Ein katholischer Pfarrer hat nie Familienleben erfahren, aber redet ständig darüber, das finde ich schade.«
Maria F., 22 Jahre

Thema Besitz:
Das finanzielle Polster der Kirche ist recht beachtlich: 80-100 Milliarden Mark an Kapitalvermögen, dazu kommen 400 Milliarden Mark Vermögen an Grundbesitz und Immobilien. Was sagte Jesus von Nazareth in der Bergpredigt? "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen...!" (Mt 5,19)

 


 

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