Ausgabe 2/97:

 
Artikel
    Die Macht der Gedanken - Dem Unterbewußtsein auf die Schliche gekommen!
    Beim Mediziner nachgefragt
    Tiere - Sachen oder fühlende Geschöpfe?
    Geburtenstopp durch Viren - Aktuelles aus der Genforschung
 
    Leserstimmen
    Der goldene Monatstip 
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Dem Unterbewußtsein auf die Schliche gekommen:
Die Macht der Gedanken

 »Mathe kapier’ ich nicht. Ich kapier’ Mathe einfach nicht. Für Mathe bin ich zu doof«. In der Schulaufgabe schreibe ich dann eine Fünf. Schlußfolgerung: »Na bitte! Hab ich doch gewußt, daß ich für Mathe zu blöde bin«. Vermutlich werde ich mir mein Leben lang alles, was mit Zahlen zu tun hat, vom Leibe halten und es zum Beispiel anderen überlassen, die Steuererklärung zu machen oder Preisvorteile auszurechnen.
Oder: »Wow! Manche können toll reden und sind überall beliebt. Haben sämtliche Fähigkeiten, die man sich wünschen kann und viele Freunde. Und ich? Wenn ich was sagen will, stottere ich herum und stehe plötzlich blöd da. So ist das halt. Ich bin eine Null auf der ganzen Linie, der Prototyp eines Versagers. Beispiele hierfür widerfahren mir täglich«. Das Ergebnis nach einigen Jahren: Wenn ich mit selbstbewußten Menschen zusammenkomme, ziehe ich mich zurück, lasse ihnen den Vortritt und bekomme schlechte Laune. Wenn mir etwas schwierig vorkommt, wage ich mich gar nicht erst ran, sondern lasse es andere machen. Ganz automatisch.

Was spielt sich ab? Meine Selbstzerfleischungsgedanken haben sich verselbständigt. Ich habe mir lange genug eingeredet, daß ich untauglich, unfähig und unbeliebt bin. Nach einiger Zeit lehne ich selbstbewußte Menschen grundsätzlich ab, obwohl ich sie vielleicht gar nicht kenne. Ich bin dann vom Unterbewußtsein, von meinen eigenen immer wieder gedachten Gedanken gesteuert.

Wollen wir dieses Spiel mitmachen und irgendwann wie ein Roboter sein, der auf einen bestimmten Input immer mit demselben Output reagiert? Oder wollen wir der Herr im eigenen Haus sein und unser Leben in die Hand nehmen?

Wohlgemerkt: Gemeint sind nicht irgendwelche Techniken des sogenannten »positiven Denkens«. Es geht nicht darum, sich jeden Morgen vorzusagen: »Ich bin reich, schön und erfolgreich« und zu warten, bis einem das Glück in den Schoß fällt. Vielmehr sollten wir unserem Unterbewußtsein, unseren immer gleichen Reaktionen und Gedanken auf die Schliche  kommen. Tun wir das, solange wir noch jung sind, können wir vermeiden, daß  sie sich verselbständigen und uns ein Leben lang bestimmen.

Und wenn wir dann wissen, wie wir nicht mehr denken wollen, welche Fähigkeiten wir erlernen möchten, welche Eigenschaften wir an uns fördern möchten, dann können wir uns diese neuen Ziele Schritt für Schritt erarbeiten. Das kann zum Beispiel so aussehen: Ich nehme mir am Morgen vor, mich in der Schule, bei der Arbeit oder im Freundeskreis nicht zu verstecken, sondern meine Gedanken oder meine Meinung offen zu sagen. Oder ich nehme mir vor, bei einer Rechnung oder einem Behördengang jemanden zu bitten, es mir so zu erklären, daß ich es das nächste mal alleine machen kann. Oder ich nehme mir vielleicht vor, zuverlässig, ehrlich, mutig, oder tolerant zu sein - je nachdem. Das Verblüffende ist: Tagsüber komme ich meist in genau die Situationen, in denen ich das lernen kann, was ich mir vorgenommen habe. Du glaubst es nicht? Probier's aus! Sicher, ein bißchen Überwindung kostet es schon, den einen oder anderen Vorsatz in die Tat Häßlich....umzusetzen, aber viele Jugendliche haben die Erfahrung gemacht: Wenn wir uns Gott ehrlich zuwenden, ihm erzählen, was wir uns vorgenommen haben und ihn bitten, uns in den Situationen des Tage beizustehen, dann klappt es mit der Zeit immer besser. Schon bald wird dann Mathematik kein Schreckgespenst mehr für uns sein. Auch machen uns selbstbewußte Menschen keine Angst mehr, weil wir uns selbst neue Fähigkeiten, uns somit ein Stück Souveränität erarbeitet haben. Wir ziehen uns dann auch nicht mehr zurück, sondern können offen auf andere zugehen.

Hey! Wir sind Kinder Gottes, keine Schlaffis, Doofköppe oder häßliche Entlein. Sagte nicht Jesus von Nazareth in seiner Bergpredigt: »Werdet vollkommen, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist!«? Wann und wo wollen wir damit beginnen? In einem Lied von Rio Reiser heißt es: »Wann - wenn nicht jetzt, wo - wenn nicht hier, wer - wenn nicht wir?«   



  
Beim Mediziner nachgefragt:

1. Bewußte Vorgänge: Unser Gedächtnis befindet sich in der Großhirnrinde. Dort spielt sich unser bewußtes Erleben ab; z.B. Denken, Wollen, Wahrnehmungen, Erinnerungen, bewußtes Körpergefühl, Muskeltätigkeit usw. Wichtig: Unser Oberbewußtsein beeinflußt das sogenannte lymbische System, unsere Innenwelt!

2. Hypophyse: Die Hypophyse ist unsere wichtigste Hormondrüse. Sie steuert über ihre Hormone unseren gesamten Körper
Schemazeichnung
3. Unbewußte Handlungen: Unsere Innenwelt entspricht dem sogenannten lymbischen System, das mit dem Unterbewußtsein vergleichbar ist. Dort befinden sich unsere Gefühls- und Empfindungswelt. Von hier aus werden auch alle unbewußten Körperfunktionen und Handlungen beeinflußt. Wichtig: Von hier aus werden Meldungen der Sinnesorgane an das Oberbewußtsein weitergegeben.

Fazit: Auch die Medizin kennt die »Macht der Gedanken«. Oft genug gedacht »sinken« unsere Gedanken ins Unterbewußtsein ab. Sie beeinflussen über die Hypophyse unsere Körperfunktionen und steuern über das lymbische System auch unsere sogenannten bewußten Handlungen.
 





Tiere -- Sachen oder fühlende Geschöpfe?

Manche Menschen behaupten schlicht, daß ein Tier nichts fühlt und daß das Behandeln kranker Tiere überflüssig sei,weil man für weniger Geld ein neues Tier bekommt. Anderen hingegen jagt es einen Schrecken ein, wenn sie solche Aussagen hören. Ist es für sie doch selbstverständlich, daß ein Tier ein Individuum und nicht so leicht zu ersetzen ist.
Die Wissenschaft rätselt und forscht: Können Tiere fühlen? In Käfigen, auf engstem Raum eingesperrt, verbringen viele Tiere ihr Dasein, damit der Mensch erforschen kann, ob ein Meerschweinchen rot und grün voneinander unterscheiden kann, ob Ratten aus Erfahrung lernen,  wie das Vergessen bei ihnen funktioniert, oder noch viel Schlimmeres.   Stellt sich ein vernünftiger Mensch mit ein wenig Verstand da nicht die Frage andersherum, nämlich: »Denken und fühlen wir Menschen überhaupt noch? Wo bleibt das Gewissen, wenn Tiere leiden und oftmals an den Folgen der Versuche sterben?« Ach so, eine Sache fühlt ja nichts und kann ersetzt werden, so wie ein altes Auto eben durch ein neues ersetzt wird. Oder? Doch wir wollen hier nicht näher auf die Grausamkeiten in den Versuchslabors eingehen, sondern das Verhalten von uns ganz "normalen" Tierhaltern einmal unter die Lupe nehmen: Wenn wir wissen wollen, ob Tiere  fühlen und uns verstehen, sollten wir uns vielleicht erst einmal fragen, ob wir in der Lage sind, die Tiere zu verstehen.
Ich möchte von einem Hund erzählen, zu dem ich eine gute Kommunikation habe. Auch wenn er gar nicht im selben Raum anwesend ist, kommen die Gedanken bei ihm an. Es ist mir schon mehrmals passiert, daß ich dachte: »Ich gehe jetzt mit ihm spazieren.« Es dauerte keine zwei Minuten, da stand er vor mir, freute sich und wedelte aufgeregt mit dem Schwanz. Als ich nicht gleich reagierte, kam er immer wieder an, stupste mich und rannte von mir weg. Dann drehte er sich nach mir um und überprüfte, ob ich nachkomme. Er wiederholte dies, bis ich wirklich aufstand und mit ihm ging. Und wo lief er hin? Schnurstracks zu seinem Schrank mit der Leine, stellte sich davor und wedelte. Er hat genau gewußt, was ich gedacht habe - auch ohne Worte! Und nun wollte er, daß ich es auch so schnell wie möglich in die Tat umsetze.
Er ist ein recht selbständiger Hund und wenn er sich mitteilen möchte, dann tut er es auch. Oftmals ist man als Mensch zu bequem, sich Gedanken zu machen was das Tier jetzt möchte. Wenn er kommt, und ich merke, daß er etwas will, gehe ich auf ihn ein und versuche, ihn zu verstehen. Ich frage: »Onyx, was willst Du mir jetzt sagen?« Und wenn Frauchen zu dumm ist, ihn zu verstehen, gibt er nicht auf, sich mitzuteilen. Manchmal stupst er mich, läuft zu seinem Schrank, guckt abwechselnd ihn und mich sehnsüchtig an - er möchte eine Kaustange. Manchmal möchte er raus und eine Runde drehen, oder er hat jemanden gehört - selbst an den verschiedenen Geräuschen der Autos erkennt er, wer kommt - den er begrüßen möchte. Dann wiederum ist es eine Aufforderung zum Spiel.
Stellen wir uns vor, wir würden jedesmal, wenn er kommt, ihn auf den Kopf tätscheln und sagen: »Ist ja gut, komm sei still, leg dich wieder hin, ich habe jetzt keine Zeit.« Vielleicht würde er es die nächsten Male noch einmal versuchen, doch irgendwann würde er abstumpfen. Vielleicht sagt er sich dann: »Frauchen/Herrchen verstehen mich nicht. Sie kapieren nicht, daß ich mit ihnen spreche. Es hat keinen Sinn, ihnen etwas zu sagen.“ Und dann nimmt er es eben hin. Er versteht zwar, wenn Herrchen sagt: »Gassi gehen, es gibt Essen, leg dich hin , bei Fuß......« und ist zur Stelle, aber er selbst teilt sich nicht mehr mit, weil man auf seine Sprache nicht eingeht.
Deswegen, finde ich, sind wir als Menschen gefordert. Es liegt in unserer Verantwortung, wie wir mit den Tieren zusammenleben, denn immerhin sind sie ja auch Geschöpfe Gottes. Halten wir sie nur für unseren Nutzen nach dem Motto: Wollen wir unsere Ruhe, dann muß es still sein, brauchen wir Streicheleinheiten und Liebkosungen, dann muß das arme Tier herhalten. Haben wir Kummer, dann schütten wir ihn über dem Tier aus. Und das Tier? Es ist ein geduldiger Zeitgenosse. Doch wir haben es in der Hand, ob wir es zur Sache herabwürdigen, zum menschlich geprägten, abgestumpften Hund oder zum freien Wesen, das uns beisteht, das gelehrig zu uns aufschaut, mit uns durch dick und dünn geht und das sich uns mitteilt, weil es uns als großen Bruder und als große Schwester sieht, die es liebt, weil es verstanden
wird.




 
   

Aktuelles aus der Genforschung
»Geburtenstopp durch Viren«           
 
- so die Überschrift eines fast unscheinbaren Artikels aus dem Spiegel 19/1997. Mit Hilfe eines manipuliertenVirus ist es gelungen, Schwangerschaften zu verhindern. Ursprünglich zur Empfängnisverhütung bei Mäusen entwickelt, könnte es helfen, zunächst in Australien Landplagen, wie Mäuse- und Kaninchienplagen einzudämmen. Vor der Anwendung wird jedoch gewarnt. Nach Angaben australischer Ökologen »gebe es keine Garantie, daß die Viren nicht mutieren und dann andere Säugetiere infizieren könnten.«

Kommentärchen: Ist der Mensch nicht auch ein Säugetier? Beim Lesen des Artikels wurde mir ganz anders. Was, wenn solche Viren tatsächlich im »Freilandversuch« oder gezielt eingesetzt werden würden? BRAVE NEW WORLD!?  Können wir in Zukunft dann unsere Kinder aus dem Katalog bestellen? Eigens angefertigte Wunschkinder aus der Retorte (blond, blauäugig,  sportlich, 185 cm, IQ 120,...)? Für mich ist das eine Horrorvision! Ist die Welt denn noch zu retten? Mir bleibt die Hoffnung, daß, wenn sich viele einzelne ändern und nach höheren ethisch- moralischen Werten streben, doch noch nicht alles zu spät ist! Wir, jeder einzelne hat es in der Hand - auch Du!

 



 
   

Briefe an die Redaktion

Den Artikel »Christlich in - Christus out?« finde ich nicht besonders gut. Für mich kommt in einigen Abschnitten so etwas der Moralzeigefinger durch. Genauso machen es viele Erwachsenen. Meine Erfahrung ist: Viele Jugendliche interessiert es nicht, wie Theo Waigel über das Neue Testament denkt oder was die Kirchen alles so Böses anstellen. Das hat nichts mit dem Leben und Problemen der Jugendlichen zu tun. Gut fand ich hingegen »Die 10 Goldenen Regeln im Umgang mit Blinden« und »Bergpredigt live«!
Sven H., Chemnitz
 
 

Heute morgen habe ich mit wachsendem Interesse in der neuen Zeitschrift geschnuppert. Der frische Wind Eurer Beiträge hat mich so begeistert, daß ich spontan zur Schreibmaschine gegriffen habe, um Euch zu danken und zu ermuntern, in diesem Stil fortzufahren.“
A. G., Michelrieth

Anmerkung der Redaktion:
Vielen Dank nochmal für die kleine Finanzspritze! Wird für die Druckkosten der nächsten Ausgabe verwendet!

   



Monatstip

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