Ausgabe No.7 - 2/98    
 
 
Artikel
    Gott ist aus der Kirche ausgetreten!
    Was wollte Jesus, der Christus?
    Dogmen, Riten, Zeremonien... die Umfrage unter jungen Leuten
    Ostern - oder alle Jahre wieder...
    Sei wachsam! - Songtext von Reinhard Mey
    Was verdient eigentlich ein Priester?
    Schmarotzer 
    Schritte im Alltag zur Entfaltung höherer Werte
    Berufe im Brennpunkt: Der Sektenbeauftragte - Ein Beruf mit Tradition
    Briefe an die Redaktion
 

Zurück zum Archiv 
 
 



 

»Gott ist aus der Kirche ausgetreten!«
 
 

Und Tschüss......
»Da hilft kein Hohn und auch kein Spott, 
kein Fluchen und kein Beten. 
Die Nachricht stimmt: Der liebe Gott 
ist aus der Kirche ausgetreten!« 
- Erich Kästner - 
Wir, die Redakteure dieser Zeitung, behaupten: Die institutionalisierte Kirche hat mit Christus nichts zu tun! - Im Gegenteil: Sie mißbraucht den Namen des Christus, um ihre Macht zu festigen, die sie auf Dogmen, Riten, Zeremonien und Priester gegründet hat.

Du kannst das nicht glauben?
Dann lies mal:

Was lehrt die Kirche in ihren Dogmen?
 

Hölle und Fegefeuer
Nach unserem Tod kommen wir vor ein Gericht. Vor Gott wird abgerechnet, ob wir in den Himmel kommen oder in die ewige Hölle, »wo die Qualen kein Ende haben«.
 
 

Erbsünde
Der Mensch bzw. seine Seele wird bei der Zeugung geschaffen.
Weil Adam und Eva gesündigt haben (wir kennen die Geschichte mit dem Apfel!), hat die Menschheit Gottes Gnade verloren und ist  mit der Erbsünde belastet.
 
 

Auferstehung des Fleisches
Am jüngsten Tag werden wir mit unseren zuvor verstorbenen Körpern - also fleischlich - auferstehen.
 
 

Der Papst ist unfehlbar.
Er ist der Stellvertreter Gottes auf Erden und in Fragen der kirchlichen Lehre unfehlbar.
 
 

Die Bibel
Das Alte und das Neue Testament sind unmittelbar von Gott inspiriert.
 
 

Diese und andere Dogmen muß ein Katholik glauben - andernfalls wird er von der katholischen Kirche ausgeschlossen und hat keine Chance, in den Himmel zu kommen.

Jesus von Nazareth hat nirgends gesagt, daß er Dogmen will und sie auch nicht gelehrt.

Auch die Evangelischen glauben an diese Lehrsätze (außer an die Sache mit dem Papst). Nach evangelischer Lehre kann man sich nicht einmal aus freiem Willen für den "heilsnotwendigen Glauben" an Christus entscheiden. Gott bewirke ihn angeblich im Menschen.
Wo er das nicht tut, muß der Mensch ewig in die Hölle.

Kommentärchen:
Auf ewig verdammt?
Jeder kann ja glauben, was er will. Aber darf man für sich in Anspruch nehmen, daß dieser Glaube auch für alle anderen Menschen verbindlich ist?
Genau dies tat und tut die Institution Kirche: In früheren Jahrhunderten landeten Andersdenkende auf dem Scheiterhaufen, und ganze christliche (!) Glaubensgemeinschaften, wie z.B. die Katharer, wurden in Kreuzzügen ausgerottet.
"Das war finsteres Mittelalter", mag man einwenden. Doch was damals galt, gilt auch heute noch:
Wer nicht an die Unfehlbarkeit des Papstes,  die jungfräuliche Empfängnis usw. glaubt, ist auch heute auf ewig verdammt - denn die alten Dogmen gelten immer noch und wurden nicht widerrufen.
Neulich sagte mir ein Arbeitskollege: "Also, ich glaube nicht an die Dogmen der Kirche. Ich wäre am liebsten schon l„ngst ausgetreten. Aber meine Freundin arbeitet in einem kirchlichen Kindergarten. Wenn ich austrete, würde sie ihren Arbeitsplatz verlieren."

Kirchliche Riten entstanden aus vorchristlichen Kulten

Der katholische Theologe Alfred Loisy  fand heraus, daá  fast alle Riten und Zeremonien in Anlehnung an vorchristliche Kulte entstanden sind, also ihren Ursprung in griechischen, ägyptischen, antiken Bräuchen haben. Für seine Erkenntnisse und seine mühevollen Forschungen ist Alfred Loisy übrigens 1908 exkommuniziert worden.

Beispiel: Der Marienkult
In vielen vorchristlichen Kulturen verehrte man Göttinnen, die oftmals mit ihrem Sohn abgebildet sind - und der ist jungfräulich geboren: Semiramis und Nimrod, Astarte und Baal, Isis und Horus.
Im Jahre 431 nach Christus wurde Maria auf dem Konzil von Ephesus - dem Heiligtum der Gottesmütter (!) Artemis und Diana - zur sogenannten "Gottesmutter" erklärt - um den dort lebenden Heiden, die an eine Göttin mit Sohn glaubten, den Übertritt zum Christentum zu erleichtern.
Den ersten Christen war die Marienverehrung unbekannt. Die "unbefleckte Empfängnis" wurde übrigens erst 1854 von Papst Pius IX als Dogma verkündet.
Und wie stand Jesus zu seiner Mutter? - Eine Frau rühmte die Mutter Jesu und sprach zu ihm: "Selig der Leib, der dich getragen hat!" - Jesus antwortete: "Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen."
Übrigens sind Heiligenverehrung, Eucharistie, Altar, Ministranten, Händefalten, Meßgewänder, Weihwasser, Weihrauch, Wallfahrten, Kanzel und der Reliquienkult heidnische Elemente!



Wollte Jesus Priester?

Ein so wichtiges Wort wie »Priester« müßte doch irgendwo in den Evangelien vorkommen, wenn Jesus von Nazareth Priester gewollt hätte - kommt es aber nicht! Zu den jüdischen Priestern sagte er: »Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen, sondern ihr seid Brüder und Schwestern...« Oder: »Wer unter euch groß sein will, sei der Diener aller...«
Übrigens wurden die »christlichen« Priester erst im 4. Jahrhundert eingeführt.
 
Anm. d. Redaktion: Vielleicht braucht man Priester, weil die kirchliche Lehre so kompliziert geworden ist, daß man studieren muß, um sie zu kapieren?!
 

Was wollte Jesus, der Christus?

 Jesus wollte, daß alle Menschen Brüder und Schwestern sind, Kinder des ewigen Vaters im Himmel.

 Jesus wollte, daß Frieden unter den Menschen wird - und er lehrte die absolute Friedfertigkeit. Von »Waffen in betenden Händen« (Kardinal Meisner) oder einem »Friedensdienst mit der Waffe« sagte er nichts! Zu Petrus sagte er: »Stecke dein Schwert ein ...«

Jesus lehrte den Jüngern keine Gebete auswendig, die sie jeden Sonntag aufsagen mußten. In der Bergpredigt sagte er: »Und wenn du betest, sollst du es nicht tun wie die Heuchler, die in den Tempel gehen, um gesehen zu werden. Wenn du betest, gehe in deine stille Kammer und sprich aus dem Herzen zu deinem Vater.« Von einem Fürsprecher, Heiligen oder einer »Mutter Gottes«, die als Mittler die Gottheit gnädig stimmen sollen, hat Jesus nichts gesagt.

Jesus sprach nicht von der Beichte! Er sagte: »Bereue deine Sünden, bitte um Vergebung, mache wieder gut und sündige in Zukunft nicht mehr.«
Was hat derjenige, dem ich großen Schaden zugefügt habe davon, daß mir ein Pfarrer die Vergebung zuspricht?
Und ein gutes Gewissen habe ich doch erst dann, wenn ich den, dem ich etwas angetan habe, um Verzeihung bitte - oder?

Das erste Gebot lautet: »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir«. Das läßt sich nicht mit der Heiligenverehrung vereinbaren! Jesus sagte: »Liebe Gott, deinen Vater  über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.«

Jesus lehrte den liebenden Gott, den Vater, nicht einen Gott, der verdammt.

Jesus wollte, daß wir wieder zu Ebenbildern unseres Vaters im Himmel werden: »Werdet vollkommen, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.« Der Glaube allein genügt nicht: »Wer diese meine Lehre hört und tut sie, der ist ein kluger Mann, der sein Haus auf einen Felsen baut.«

Wer mehr wissen will...
Literatur zum Thema
Robert Kehl: »Geheimnisse der Kirche«
Karl-Heinz Deschner: »Abermals krähte der Hahn«
 
 



Dogmen, Riten, Zeremonien...
Wir befragten Jugendliche in der Würzburger Fußgängerzone:

»Ich gehe nicht in die Kirche. Es bringt mir nichts. Warum ich überhaupt noch Mitglied bin? Als ich klein war, hatte ich noch nicht genügend Durchsetzungsvermögen, um auszutreten. Und bei der Taufe war ich ein Baby und konnte nichts dagegen tun.
Ich bin ein Mitläufer, ein Mitglied in einer Vereinigung, hinter der ich gar nicht stehe. Wenn ich einmal eigenes Geld verdiene und Kirchensteuer zahlen muß, trete ich aus.«
»Die Kirchen brauchen Dogmen, Riten und Priester, um ihre Machtposition zu stärken.«

»Viele sind aus reiner Gewohnheit in der Kirche. Das gehört zum öffentlichen Leben wie der Sportverein oder die freiwillige Feuerwehr.«
 
»Die Kirche hat nur so viel Macht, wie ihr das Volk gibt!«
 
»Warum setzt man eigentlich nicht seinen Verstand ein, wenn man dieses religiöse Gebäude sieht und fragt: Was wollte Jesus von Nazareth?«



Ostern - oder: Alle Jahre wieder...

ComicOstern - so erinnert man sich neben Osterhasen und Ostereiern auch noch schwach - Ostern  feiern wir, weil "Christus für uns gestorben ist". - Halt,  stop: Ostern ist er auferstanden! Gekreuzigt wurde er am Karfreitag, und an diesem Kreuz hängt er fast das ganze Jahr.
Eine Abwechslung gibt es nur zu Weihnachten: Weihnachten wird er "alle Jahre wieder" geboren. Man holt die Krippe mit Ochs und Eselein vom Dachboden und legt das kleine Figürlein aus Wachs oder Plastik hinein. Also: In die Krippe, ans Kreuz, in die Krippe, ans Kreuz... so geht das jahrein-jahraus. Erst der Säugling, der noch nicht reden kann - dann der tote Mann am Kreuz, der nicht mehr reden kann ...!  Was war eigentlich zwischendurch? Was hat Christus gesagt, als er reden konnte?
Das Wichtigste der Lehre des Jesus von Nazareth ist in der Bergpredigt zusammengefaßt: "Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen..." oder:  "Entferne zuerst den Balken im eigenen Auge, bevor du dich um den  Splitter im Auge deines Bruders kümmerst..." Unbequeme Worte! So unbequem, daß die gängige Auffassung in den Institutionen Kirche lautet: "Die Bergpredigt ist eine Utopie und im gesellschaftlichen oder politischen Leben nicht anwendbar." Also: Sorgt man lieber dafür, daß Christus nicht redet, oder?!
Wir meinen: Ostern ist das Symbol für die Auferstehung Christi. Auferstehung bedeutet: Christus in unserem Leben lebendig werden zu lassen, indem wir tun, was er lehrte.

Lesetip: "Der Prophet" Nr. 7: Das Leben der "Christen" im Jahreslauf. Kostenlose Broschüre, Bestellcoupon S. 4!

 



»Sei wachsam!«
Aus der CD "Leuchtfeuer" von Reinhard Mey
 
 
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen!
Sie nennen es »das Volk«, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
wenn du lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen!
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
»Halt´du sie dumm  - ich halt´sie arm!«
Sei wachsam, präg´dir die Worte ein!
Sei wachsam, und fall´nicht auf sie rein!
Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt;
die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam, merk' dir die Gesichter gut!
Sei wachsam, bewahr' dir deinen Mut.
Sei wachsam, und sei auf der Hut! (...)
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Wir ha'm ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren.
Was hilft‘s wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren.
Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen.
Und verschon' mich mit den falschen Ehrlichen,
die falschen Ehrlichen - die wahren Gefährlichen!
Ich hab' Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
nach 'nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag´die Wahrheit, und du hast bald nichts mehr zu lachen...
Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen,
dann sag´sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd...



 


Was verdient eigentlich ein Priester?
 
 
Pfarrer verdienen 8.000 DM pro Monat im Durchschnitt.  

+ Keine Arbeitslosen- oder Rentenversicherung 
+ Dienstwohnung frei 
+ Umzüge werden zu 100% erstattet 
+ Kilometergeld für die Fahrt zum Arbeitsplatz 

Bischöfe verdienen 15.000 bis 20.000 DM  im Monat!  

+ Wohnung, Haushälterin, Dienstfahrzeug und der Unterhalt von bis zu drei unehelichen Kindern sind frei. 
+ Das Gehalt fast aller Bischöfe wird vom STAAT (!) bezahlt. 

Trennung von Staat und Kirche? Pustekuchen!  
Zusätzlich zu den Kirchensteuern erhalten die Amtskirchen ca.  17 Mrd. DM staatliche Subventionen aus dem allgemeinen Steuertopf! 
  
Vom Staat (!) werden u.a. komplett (!!) bezahlt:  

+ der kirchliche Religionsunterricht an öffentlichen Schulen 
+ Theologenausbildung 
+ Theologieprofessoren 
+ Bischofsgehälter 

Zudem ist die Kirchensteuer von der Lohn- und Einkommenssteuer abzugsfähig. 

 


 
Serie »Bergpredigt live«:
Ein Schmarotzer kommt selten allein

Schmarotzer. Anders kann man es nicht nennen. Ich meine jene Mitmenschen, die einem an sich recht lieb und teuer sind, aber einem durch einen sehr unangenehmen Charakterzug  das Leben schwer machen:
Sie lassen sich mit meinem Auto herumkutschieren, ohne einen Pfennig Benzingeld zu bezahlen. Sie fühlen sich nicht bemüßigt, den Topf mit den angekrusteten Spaghetti-Resten selbst zu reinigen, sondern hoffen auf einen Mitbewohner, der den Anblick nach einer Woche nicht länger ertragen kann und ihnen die lästige Arbeit abnimmt - auf mich zum Beispiel. Sie versprechen, sich um dringend anstehende Dinge zu kümmern, können sich dann aber irgendwie doch nicht dazu aufraffen, so daß der Job an mir hängen bleibt - wieder mal. Sie haben tolle Ideen, legen Termine fest, organisieren, laden Leute ein - und wer bitteschön macht die Vorbereitungen, den Kleinmist, wer rennt sich die Hacken ab? Ich. Entschuldigung, aber ich koche! Innerlich versteht sich! Pascha, kann ich da nur sagen, Schmarotzer! Schma - rot - zer!!!

Ich doch nicht!

Nun kann ich mich bei meinem Groll eines Gedankens nicht erwehren...! Er macht sich - ohne zu fragen - in meinem Gehirn breit: »Ziehe zuerst den Balken aus Deinem eigenen Auge, bevor Du  den Splitter im  Auge Deines Nächsten herausziehen willst.« Bergpredigt live! Welchen Balken denn bitte sehr? Wer hier der Schmarotzer ist, das liegt doch wohl auf der Hand! Ich zahle schließlich beim Mitgenommenwerden brav den Solidaritätsbeitrag fürs Benzin. Ich kratze meine dreckigen Töpfe selber aus und ... na gut, was ich zusage, bleibt auch hin und wieder erst mal liegen. Hin und wieder - das ist ja wohl keine Katastrophe. Okay, neulich - das war keine Meisterleistung. Erst, nachdem ich mehrmals erinnert wurde, habe ich einer Zeitung einen versprochenen Artikel dann doch wieder abgesagt - aus Zeitgründen. Für den Redakteur, der sich drauf verlassen hat, spielten meine Zeitgründe allerdings keine Rolle, denn der war erstmal der Angeschmierte. Das war nicht okay. Und  sonst? Wie handhabe ich das zum Beispiel mit meinen Ideen?
Sie kommen mir zuhauf ins Hirn und ich präsentiere sie gerne meinen Mitmenschen - doch wenn es dann zur Sache geht, ans Wohnung dekorieren, Flur streichen, Keller auf Vordermann bringen... wenn ich es dann gar selbst machen soll, ist es mir  auch nicht mehr so recht - weil mit Arbeit verbunden. Ein typischer Fall von Schmarotzertum. Muß ich zugeben. Und wenn mein Auto spinnt, der Fahrersitz kaputt ist oder das treue Gefährt sonstwo ein Wehwehchen hat, telefoniere ich zugegebenermaßen erstmal mit meinem Vater, schildere die schier ausweglose Situation, lasse mir Tips und vielleicht gleich einen Termin in der Autowerkstatt geben und habe auch gegen eine kleine Finanzspritze im Fall einer Reparatur gar nichts einzuwenden. Ich gebe auf - das ist Schmarotzen hoch drei. Der Spaghetti-Topf dagegen eine Schusseligkeit, über die man wirklich mal hinwegsehen kann.
Prototyp Schmarotzer

Der Scharotzer lebt auf Kosten anderer, zehrt von deren Energie und bringt kein Fünkchen Eigenaktivität auf. Traurige Bilanz - aber so bin ich. Ich schaue auf meinen Vorteil, bin bequem  und überlasse unangenehme Dinge gerne anderen. Und eine ganz fiese Form des Schmarotzertums - weil sie nämlich keiner sieht -  ist die, den anderen zu irgendwelchen Sympathiebekundungen zu bewegen, weil man mit sich selber gerade unzufrieden ist. Statt mich selbst beruflich, klamottenmäßig und auch vom Verhalten her auf Vordermann/frau zu bringen, lauere ich auf Komplimente von anderen, damit ich mir leisten kann, so zu bleiben, wie ich bin. Ich heische nach Anerkennung jedweder Art - weil ich als Vertreter der Gattung Schmarotzer zu faul bin, mir etwas zu erarbeiten, über das ich mich selbst freuen kann - ohne Bestätigung von anderen. Schöne Bescherung!

Was tun?

Wenn ich's mit der Bergpredigt halte: Balken raus! Und auch wenn ich vom ganzen Balken im Moment wahrscheinlich nur einen Spreißel erfasse, nehme ich diesen Spreißel und ziehe: Ich entschuldige mich beim Redakteur, den ich neulich durch meine Tatenlosigkeit in Bredouille gebracht habe und sage ab jetzt nur Sachen zu, die ich wirklich einhalten kann. Und halte sie. Ich spucke weniger große Töne, sondern versuche, Ideen selbst in die Tat umzusetzen und nicht andere dafür einzuplanen. Im Keller räume ich Kisten weg und miste Papier aus. Weiter: Ich fahre zum Gebrauchtwagenhändler - und der hat doch glatt einen passenden Fahrersitz. In 5 Minuten hat er meinen windschiefen aus- und den anderen eingebaut. Preis: erschwinglich! Und dann: mach ich mir einen Plan, was ich beruflich bis wann gelernt haben möchte, was ich mir als nächstes erarbeiten will. Und schließlich: probiere ich mal ein paar andere Klamotten aus: Was paßt zu mir? Wie gefalle ich mir? Müssen es immer die gleichen Hosen sein? Und wie wäre es, wenn ich mal für alle das Frühstück mache, statt auf jemanden anders zu hoffen?

Balken raus!

Jetzt heißt es also anpacken! Mal sehn, ob sich der Schmarotzer-Balken nicht auf diese Weise herausziehen läßt! Ein interessanter Nebeneffekt bei der Geschichte: Ich beschäftige mich damit, mein eigenes Schmarotzertum in den Griff zu bekommen und habe gar nicht die Zeit, ständig an anderen rumzunörgeln. Und wenn tatsächlich mal wieder die Küche voll dreckiger Töpfe stehen sollte, kann man ja mal ganz normal nachfragen. Wenn ich das schaffe, also ohne Groll, ohne innerlich zu kochen, dann kann ich sicher sein: mein Balken ist schon ein gutes Stück raus. Und dann? Kann ich den nächsten anpacken - denn der kommt bestimmt! Wie war das doch gleich mit jenem Verwandten, der immer so penetrant dazwischenredet und sich wichtig macht.....?????  



Schritte im Alltag zur Entfaltung höherer ethisch-moralischer Werte

2.Teil: ZUHÖREN 
 
»Bemühe Dich, deinen Mitmenschen zuzuhören...(siehe Kasten rechts)«  
Unser Tip:  
      
Beobachte Dich mal!  
Wer hat das noch nicht erlebt: Ein Freund oder Arbeitskollege erzählt euch gerade, was er letztes Wochenende unternommen hat, wo er hingegangen ist und was er erlebt hat. Aber eigentlich kriegt ihr nur die Hälfte  mit, denn in Gedanken seid ihr schon längst bei eurem eigenen Wochenende und denkt gerade daran, was für tolle Leute ihr kennengelernt habt und wie super die Stimmung in der Disco war. Zugegeben, mit einem Ohr hört ihr immer noch zu - schließlich dürft ihr ja den richtigen Einsatz nicht verpassen, um von eurer Disco und eurem Wochenende zu erzählen.  

Geht es auch anders?  
Jeden Tag sprechen uns so viele Leute an, fragen oder erzählen uns etwas. Versucht doch mal, wenn euch jemand anspricht, euch gedanklich und auch mit dem Gefühl voll auf den Gegenüber einzustellen und zu erfassen, was er für ein Anliegen hat. Vielleicht braucht derjenige, der  euchum einen Gefallen bittet,  auch noch ein gutes Wort, weil er sich einsam oder alleine fühlt, oder er braucht jemanden, dem er etwas erzählen kann. Wenn ihr ein bißchen übt, werden ihr merken, daß ihr immer sensibler werdet und manchmal schon durchs Zuhören helfen könnt. Oder was macht ihr für Erfahrungen?  

Schnappt euch doch ein Postkärtchen und schreibt uns (bzw. schickt uns eine mail!) 

Auszüge aus dem Heft  
»Der Prophet« Nr. 10: Der Jugendliche und der Prophet  

   Bist du in der Schule oder im Beruf, dann mache keine Witze über deine Lehrer oder Lehrerinnen oder  Vorgesetzte, auch nicht über deine Mitschüler und deine Kollegen. Willst du, daß sie sich über dich lustig machen?  

   Iß und trinke sittsam und sei dir bewußt, daß das, was du an Nahrung und Getränken zu dir nimmst, eine Gabe des Schöpfers an Seine Menschenkinder über die Mutter Erde ist.  

   Sende deinen Mitmenschen keine haß- und neiderfüllten Gedanken, denn du selbst willst auch nicht, daß andere dir dies antun. Laß deinen Mitmenschen die Freiheit. Zwinge sie nicht, das zu tun, was du möchtest oder selbst tun könntest.  

   Dringe nicht in den Tempel, in die Sphäre deines Nächsten ein, indem du ihn ändern möchtest, so wie du glaubst, daß er sein müsse. Ändere du dich und gewinne Achtung vor deinem eigenen Leben, dann gewinnst du auch Achtung vor deinen Mitmenschen.  

   Behandle Tiere, Pflanzen, ja die ganze Natur gut, also ähnlich, wie du behandlet werden möchtest. Denn alle Formen der Naturreiche fühlen und empfinden, weil sie in sich das Leben tragen, das Fühlen und Empfinden.  

   Bemühe Dich, deinen Mitmenschen zuzuhören, und versuche, ihnen eine ehrliche Antwort zu geben. Nimm dich im Gespräch nicht so wichtig! Sei kein Besserwisser, sondern überlege, ob du den Fragen wirklich gewachsen bist und mit einer Antwort helfen und dienen kannst.  
 

 



 

Berufe im Brennpunkt - Teil 2:
Der Sektenbeauftragte - Ein Beruf mit Tradition -

Der Sektenbeauftragte ist ein sehr angesehener Mann, der immer dann auftritt, wenn Menschen nicht das glauben wollen, was sie glauben müssen.
Ein Sektenbeauftragter ist nämlich der Meinung, daß alle Menschen glauben müssen, was er glaubt, z.B. an die unbefleckte Empfängnis, die ewige Verdammnis usw.
Daß die Leute es gar nicht glauben wollen, interessiert ihn nicht. Wacker versucht er deshalb, die Schäfchen wieder auf den rechten Pfad zu führen.
Da wir uns im aufgeklärten  20. Jahrhundert befinden, sind gewisse Methoden hierfür nicht mehr zeitgemäß: Seine Vorgänger hatten die Missetäter einfach in ein Loch gesperrt, ohne Wasser und Brot und gewartet, bis die hungrigen Gestalten freiwillig dem heidnischen Glauben abgeschworen hatten. Es ist kaum zu glauben, wie wirksam es zudem ist, solchen Ketzern die Fingernägel auszureißen, oder die Körperlänge auf der Streckbank etwas zu verändern....
Aber das ist Geschichte. Heute muß man sich als Sektenbeauftragter andere Methoden einfallen lassen. Man kann sich zum Beispiel auf seine grundgesetzlich garantierte »freie Meinungsäußerung« berufen und dann lügen, was das Zeug hält. Man muß nur glaubhaft machen, daß die Unwahrheiten und Lügen, die man verbreitet, die eigene, persönliche Meinung sind.
Daß sich der Durchschnittsbürger auf diese Aussagen eines kirchlichen Experten verläßt, ist nur verständlich.
Was für den einen »freie Meinungsäußerung« ist, kann für den anderen aber Rufmord sein.
Und das kann folgendermaßen aussehen (siehe Main-Post, 23.06.97):
Eine Firma vertreibt für einen Hersteller ein Produkt und betreut die Kunden nach bestem Wissen und Gewissen. Ich als Sektenbeauftragter stelle fest, daß sich die Vertreiberfirma aus ehemaligen Kirchenchristen zusammensetzt, die der kirchlichen Institution abgeschworen haben. Es besteht akuter Handlungsbedarf! Ich gehe an die Öffentlichkeit und frage die Zeitungsleser und Fernsehzuschauer des Landes, wie man es verantworten könne, von diesen gottlosen Menschen etwas zu kaufen oder Serviceleistungen entgegen zu nehmen. Ich mutmaße öffentlich, daß sie womöglich ihre Kunden ausspionieren und wer weiß was sonst noch anstellen. Selbstverständlich kann ich das nicht beweisen. Aber das macht nichts, es ist eben meine Meinung, deren Richtigkeit man mir als kirchlichem Fachmann selbstverständlich abnimmt - wer traut einem Mann Gottes schon zu, daß er seine Mitmenschen belügt? Um meiner Verantwortung gerecht zu werden, fordere ich die Kunden und Vertragspartner der gefährlichen Ketzer  dazu auf, die Geschäftsbeziehungen mit diesen Verirrten abzubrechen.
Der Hersteller windet sich vor Unbehagen unter dem kirchlichen Druck und kündigt mit Entschuldigungen seinem bis dato treuen Vertreiber alle Verträge. Die Firma, die sich im Lauf der Jahre auf den Vertrieb der Produkte spezialisiert hat, muß nun schließen - alle Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze, stehen auf der Straße und liegen dem Sozialstaat auf der Tasche. Was sein muß, muß sein....
Dies ist nur eines von vielen Beispielen aus dem abwechslungsreichen Arbeitsalltag eines Sektenbeauftragten. Nun verstehen wir auch, woraus er seine innere Erfüllung im Beruf zieht: Er kann sich auf die Schulter klopfen und sagen: Gott sei Dank! Wieder einmal sind wir den Auswucherungen der Ungläubigkeit entschieden entgegengetreten!

Interessiert?
Voraussetzung für das Amt des Sektenbeauftragten ist ein mehrjähriges Studium zum Theologen (großteils vom Staat finanziert). Die Spezialisierung zum Sektenbeauftragten erfolgt dann aufgrund eigener Interessen.
 
 




Post von Euch:
Hallo, Ihr von der Revo-Redaktion! Ihr wünscht Euch Rückmeldungen? - Kein Problem!
Ich finde an Eurer Zeitung toll, daß Ihr die Probleme und Interessen der Jugendlichen von heute angeht. Es ist toll, wie offen Ihr über verschiedene Themen schreibt, die letztendlich jeden von uns beschäftigen, aber verdrängt werden.
Eure Zeitung deckt auf, macht klar und hält an, endlich mal wach zu werden.
Also nicht locker lassen-
weiter so! Beste Grüße aus dem Sauerland von David!

Ihr Artikel »Propheten damals und heute« hat mich sehr inte-ressiert. Genauso »Schritte im Alltag«. Aufgrund dessen wollte ich Ihre Zeitung nicht zerschneiden und bitte Sie trotz Kopie, die kostenlosen Probeexemplare zu schicken. Vielleicht ist es Ihnen möglich, die Begnungsorte in Nürnberg und Erlangen mitzuschicken.
Claudia, Forchheim

   



 Zurück zum Archiv 

 

Der geistige Revolutionär Christus
[Home] [Archiv] [Comix]
[Infos] [Termine] [Geistige Hilfen]
URL: http://www.revo.org
eMail:info@revo.org
©1997-2000 Der Revo
Error 500 - Internal server error

Error 500 - Internal server error

Ein interner Fehler ist aufgetreten!
Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt.