Ausgabe No.15 - Der geistige Revolutionär Christus
Juni 2000

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No. 15
  Krank durch Kirche


Krank durch Kirche


Erschreckend: Ein Drittel bis die Hälfte der Patienten, die psychotherapeutische Beratung suchen, leidet an durch kirchliche Lehre und Erziehungseinflüsse verursachten seelischen Erkrankungen, den sogenannten »ekklesiogenen Neurosen«. Der »Revo« wollte es genauer wissen und fragte bei einem Professor für Psychologie nach. Die These: Der Glaube an die Kirchenlehre macht zwangsläufig krank! Die Gründe scheinen plausibel...

Der REVO: Viele Menschen glauben nicht an Dogmen, wie z.B. das der Unfehlbarkeit des Papstes, sind jedoch weiterhin Mitglied der Kirche und zahlen bereitwillig ihre Kirchensteuer. Ist das nicht völlig schizophren?

Prof. Dr. Meurer: Viele Leute sagen: Die Verbrechen der Kirche - Kreuzzüge, Folter, Mord, Raub - sind Vergangenheit. Doch die geistigen Verbrechen der Kirche sind Gegenwart: Wer zwar Kirchenmitglied ist, aber nicht an die Kirchenlehre glaubt, kommt ganz gut mit dem System klar. Doch wer daran glaubt - so meine These - wird krank. Sigmund Freud hat in einer eigenen Schrift die katholische Kirche an sich als »Zwangsneurose« diagnostiziert.

Der REVO: Wieso macht Kirche neurotisch?

Prof. Dr. Meurer: Wer die Lehre der ewigen Verdammnis wirklich ernst nimmt, der wird zwangsläufig neurotisch, weil es jeglichem menschlichen Empfindungsvermögen widerspricht, z.B. ewig dauernde Höllenqualen. Als ich ein kleiner Junge von vier Jahren war, erzählte mir mein Großvater die Geschichte von Judas, dem Verräter: Er säße in der Hölle und müsse große Qualen leiden: »Und wenn Judas alle 1000 Jahre eine Träne weint, bis seine Tränen das Becken des Meeres füllen, so ist die Hölle noch nicht vorbei.« Als ich erwachsen wurde, habe ich an die Lehre der Kirche nicht mehr geglaubt. Aber meine Angst vor der Hölle, vor dem strafenden Gott, die Angst, wenn es ans Sterben ginge, war gewaltig. Mit 21 Jahren war ich zum letzten Mal in der Kirche, doch erst im Alter von 39 Jahren vollzog ich den Kirchenaustritt.

Der REVO: Ist es also Angst, die Menschen abhält aus der Kirche auszutreten, obwohl sie nicht mehr an die Lehre glauben?

Prof. Dr. Meurer: Angst ist regelmäßiger Bestandteil einer Neurose. Die Kirche arbeitet mit der Angst - statt zu zeigen, wie man sie überwindet. Sie benutzt die Angst, z.B. vor dem Tod und was danach kommt, um die Menschen abhängig zu machen. Viele Leute die ich kenne, sind aus der Kirche ausgetreten. Doch wenn es ans Sterben ging, holten sie den Pfarrer und zahlten alle Kirchensteuern nach.

Der REVO: Warum sind Sie - trotz der Angst - doch noch ausgetreten?

Prof. Dr. Meurer: Als ich sicher war, dass Gott die Liebe ist und kein furchtbarer Gott, der seine Kinder in die ewige Hölle schickt, bin ich ausgetreten. Jesus von Nazareth hat zu den Menschen gesagt: »Das Himmelreich ist inwendig in euch!« Und zu den Pharisäern und Schriftgelehrten sagte er: »Ihr schließt den Menschen das Himmelreich zu und kommt selbst nicht hinein!« Kirche macht deshalb krank, weil sie die Menschen nicht zu Gott führt, sondern zu sich selbst. Sie sagt: Gott wohnt im Steinhaus, im Tabernakel. Dadurch führt sie die Menschen in die Irre! Die ganze Mystik weiß, dass Gott im Inneren des Menschen wohnt. Ich konnte meine Angst nur besiegen durch den Weg nach Innen, durch das Erleben, dass Gott in mir ist, dass ich geliebt bin von dem Geist, der mich erschaffen hat - und der die Sehnsucht weckt, das Göttliche in mir wieder zu erschließen.

Literatur:
• Tilmann Moser: Gottesvergiftung
• Horst Eberhard Richter: Der Gotteskomplex
• Hubertus Mynarek: Eros und Klerus
• Eugen Drewermann: Kleriker
• Ruppert Lay, Interview in »Die Woche«, 3.11.95
• K. Thomas, Sexualmedizin 8/1989

          

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